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zurueckUniv.Prof. Dr. Sir Karl Haidmayer

Nachdem am 28. Juni im „Musiksalon Erfurt“ als „Geburtstags-Nachwehen“ betitelte Lieder und Chansons von und mit Sir Karl Haidmayer und der unbedingt hörenswerten jungen Sopranistin Elisabeth Bräuer erklungen waren, handelte es sich nicht um eine Einladung in die Landeshauptstadt Thüringens, sondern um eine Soiree mitten in Graz. Genauer noch, im Gemalten Haus, Herrengasse 3, wo im 3. Stock im Salon für gelebte Musikkultur einem der profiliertesten und produktivsten Komponisten des Landes gehuldigt wurde. Karl Haidmayer, geboren 1927 im niederösterreichischen Hollabrunn, feierte am 1. Mai 2007 seinen 80. Geburtstag.

Abwegig ist es nicht, die Aufführung Haidmayer’scher Werke jenseits der heimatlichen Grenzen zu vermuten. Selten genug erklangen Haidmayers Kompositionen in den letzten Jahrzehnten in Graz. Dafür waren es die Konzertsäle Deutschlands, Bulgariens, Rumäniens, Italiens, Ur- und Erstaufführungen von Island bis Südafrika, wo Haidmayer seine größten Erfolge feierte.

Fehlender Mut
Woran dies liegt? An der mangelnden Unterstützung durch etablierte Verlage, die natürlich entscheidend zur internationalen Verbreitung eines Komponisten beitragen? Haidmayer macht dies durch seine beinahe druckreife Notenschrift und die von ihm künstlerisch gestalteten Deckblätter der Partituren wett. Liegt es am fehlenden Mut zur Moderne des traditionsreichsten steirischen Konzertveranstalters, des Musikvereins für Steiermark, der 1983 das letzte Mal ein Werk Haidmayers zur Aufführung brachte? Oder liegt es an der kompositorischen Vielfalt und dem spielerisch-humoristischen Zug in Haidmayers Werken, die es nicht zulassen, ihn stilistisch zu bändigen und zu unernst erscheinen lassen? Ist er, der Dodekaphonie und Serialismus abgeschworen hat zugunsten einer hörerfreundlichen und der Tonalität verpflichteten Schreibweise, zu wenig modern?

Über Europa hinaus
Das profunde tonsetzerische Können des langjährigen Präsidenten des „Steirischen Tonkünstler-Bunds“ und Professors für Komposition und Musiktheorie an der Musikhochschule Graz beurteilte Ernst Naredi-Rainer 1991 folgendermaßen: „Haidmayers Geschick, auf Interpreten individuell einzugehen und Literatur auch für die ausgefallensten Besetzungen beizusteuern, sichert seinem umfangreichen Œuvre, in dem als Gattung nur die Oper fehlt, … eine weit über Europa hinausreichende Verbreitung.“

Geistvoll – Humorvoll
Karl Haidmayer begann bereits im Alter von zehn Jahren Noten zu schreiben. Diese Kompositionen für Klavier waren dem Geist Schumanns, Regers und Edvard Griegs verpflichtet. Später waren es Bartók und Strawinsky, die ihn inspirierten. Zusätzlich zu seiner Ausbildung als Pianist am Steiermärkischen Landeskonservatorium studierte er bei Helmut Federhofer Musikwissenschaft. Als Haidmayer mit 25 Jahren sein Studium mit einer Dissertation über den Musiktheoretiker Roderich von Mojsisovics beendete, konnte er bereits auf beachtliche Anerkennung als Komponist verweisen. Das steirische Musikleben hat ihn in den nächsten Jahrzehnten in seiner ganzen Universalität kennen gelernt: als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Musikhochschule Graz, als Musikkritiker und als Primus inter Pares des Steirischen Tonkünstler-Bundes – in allen Funktionen geist- und humorvoll.

Neunte Sinfonie für Jeunesse
Einen wesentlichen Impuls für seine künstlerische Entwicklung bedeutete eine Rumänienreise Anfang der fünfziger Jahre. Das „Romîneascenhafte“ taucht ab nun in seinen Kompositionen immer wieder auf, jedoch weniger als zitathafte Übernahme folkloristischer Elemente, sondern mehr als Bestätigung von Haidmayers Originalität durch Elemente der rumänischen Musik. Es genügt Sir Karl Haidmayer wenige Minuten gegenüberzusitzen, während seine Neunte Sinfonie läuft und der Besucher versteht, dass Haidmayers Kompositionen vom Rhythmiker und Humoristen leben.
Die 1978/79 als Auftragswerk für das Jeunesse-Orchester geschriebene Neunte Sinfonie hat sechs Sätze mit äußerst eigenwilligen Erfindungen. Der erste Satz wird abweichend von der Form der Sinfonie als Prelude bezeichnet. Der zweite Satz, Marche funèbre, zitiert einen bekannten Militärmarsch, der in Moll und doppelt so langsam einen echten Trauermarsch darstellt und dann plötzlich als heitere Wendung in Dur und im Originaltempo erklingt. Im dritten Satz, einem Wiener Walzer, werden die Instrumentalisten zum Chorsingen verpflichtet. Der vierte Satz, Menuett, ist ein durcheinandergeratenes Orchester, das allmählich zu Mozarts Divertimento KV 334 findet, aber sich davon wieder entfernt. Im fünften Satz, Le concert du renard, wird Bachs Doppelkonzert mit „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ kombiniert und über den letzten Satz, das Finale styrian, rätselten die Kritiker, was Beethoven mit der Steiermark zu tun habe. Karl Haidmayer lächelt verschmitzt, während seine Finger unaufhörlich den Rhythmus seiner „Faschingssinfonie“ trommeln.

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Herta Tinchon

Karl Haidmayer

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