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Hommage an einen Weltbürger

Auszüge aus der Festrede von Landesrat Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer zum 75. Geburtstag von Landeshauptmannstellvertreter und Kulturlandesrat a. D. Joanneumspräsident Prof. Kurt Jungwirth.

Lassen Sie mich meine Laudatio als „Hommage an einen liebenswürdigen Weltbürger“ betiteln. Zunächst einige Worte zur Genesis. Kurt Jungwirth war nicht immer Kulturpolitiker, sondern zunächst ein schlichter Säugling, welcher am 3. September 1929 in Graz das Licht der Welt erblickte. Etwa eineinhalb Monate später, am Schwarzen Freitag des 25. Oktober 1929, begann die Weltwirtschaftskrise mit dem New Yorker Börsenkrach. Natürlich gibt es hier keinen kausalen Zusammenhang. Doch dieses Ereignis prägte auch Österreich mit einer erheblichen Phasenverschiebung, dafür aber umso heftiger. Bald wurden die Hochöfen ausgeblasen und die Arbeitslosenziffern erreichten mit etwa 600.000 im Jahr 1933 eine Höchstmarke, dies förderte das Aufkommen radikaler politischer Strömungen. Für die Zukunft der in den dreißiger Jahren aufwachsenden Jugend boten sich triste Voraussetzungen. Der Vater war als Papieringenieur im Inund Ausland tätig, leider starb er allzu früh an den Spätfolgen des Ersten Weltkrieges. Ab 1935 besuchte Kurt Jungwirth die Privatschule der Marienbrüder in Graz, 1939 begann er sein Mittelschulstudium an der damaligen zweiten Oberschule für Jungen in der Pestalozzistraße. (Beachten Sie bitte dazu den Beitrag von Kurt Jungwirth „Erinnerung an die Kindheit“ auf den Seiten 28 bis 29. Die Redaktion.)

Mit magischer Kraft

1947 maturierte Kurt Jungwirth und begann dann mit dem Romanistik-Studium an der damaligen Philosophischen Fakultät der Grazer Universität, welches er sich als Werkstudent weitgehend selbst finanzierte. 1952 legte er mit sehr gutem Erfolg die Lehramtsprüfung für Latein und Französisch ab.
Nach einem Probejahr trat Kurt Jungwirth 1953 als Professor und Erzieher in die Bundeserziehungsanstalt Graz-Liebenau ein. Frankreich und die französische Kultur zogen ihn stets mit magischer Kraft an. Wer Kurt Jungwirths Zugang zur Kultur, zu Europa und interkultureller Kompetenz verstehen möchte, muss seine Suche in Frankreich beginnen. Dem sprachbegeisterten jungen Mann war klar: Wer eine Fremdsprache lernt, zieht den Hut vor einer anderen Nation und lernt, sich auch in seiner eigenen Sprache besser auszudrücken! Seinen ersten postuniversitären Kontakt mit Frankreich hatte er im Schuljahr 1954/1955, als es ihn als „Assistant de langue étrangère“ (Fremdsprachenassistent) nach Belfort verschlug. Fasziniert von der Kultur seines Gastlandes begann eine – privat wie beruflich – lebenslange Beziehung, die man am besten mit den Worten Thomas Jeffersons beschreiben kann: „Chaque homme de culture a deux patries: la sienne – et la France. Jeder Mensch von Kultur hat zwei Vaterländer: das seine – und Frankreich.“

Botschafterin Frankreichs

Doch die Liebe zu Frankreich wurde noch viel konkreter. Man kann nicht nur das Land lieben, da gehören einfach auch die Menschen dazu – oder noch konkreter Marie- Louise Klein aus Verdun, die er 1956 heiratete. Die Entscheidung war goldrichtig, so steht auch in zwei Jahren die Goldene Hochzeit ins Haus. Das immer harmonisch wirkende Ehepaar hat allen Grund stolz zu sein auf die zwei sehr erfolgreichen Söhne Michael und Christian, die Schwiegertöchter Katja und Barbara und die sechs Enkelkinder Marie, Lukas, Kathi, Christina, Nico und Laura. Marie- Lou ist seit vielen Jahrzehnten die beste und charmanteste Botschafterin Frankreichs in der Steiermark. Sie hat auch den missionarischen Ehrgeiz, allen Völkern des christlichen Abendlandes das Rauchen abzugewöhnen und ihnen dafür die französische Sprache beizubringen. Ich darf bekennen, dass ich von ihr vor vielen Jahren einen französischen Kurzkurs erhielt. Mein erster französischer Satz lautete: „Voulezvous un peu de fromage.“ Ich habe ihn seitdem mit großem Erfolg unzählige Male angewandt. Zunächst ohne entsprechenden Anlass, was für einige Verblüffung sorgte. Erst mit zunehmendem Alter wurde ich geduldiger und wartete darauf, bis bei diversen international anmutenden Tafeln endlich die Käseplatte herumgereicht wurde. Kurt Jungwirth gab seine Begeisterung über das Land Balzacs auch als Lehrbeauftragter am Dolmetschinstitut sowie am französischen Kulturinstitut an seine Studenten weiter. Er betreute auch entwicklungspolitische Aktionen, so kümmerte er sich um Stipendiaten aus Zaire.

Chefredakteur der „Berichte“

Seine Neugierde für das Funktionieren gesellschaftlicher Abläufe sowie sein ausgeprägtes Sprachverständnis erklären wohl auch sein Interesse am Journalismus. So wurde er Chefredakteur der „steirischen berichte“. Im unruhigen 68er Jahr beschäftigte sich die Kulturzeitschrift intensiv mit den Problemen der jungen Generation, was dem schreibgewaltigen Romanisten gemeinsam mit den Redaktionskollegen Prof. Max Mayr und Dr. Johannes Koren den Österreichischen Staatspreis für journalistische Leistungen im Interesse der Jugend bescherte.

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Herta Tinchon

Kurt Jungwirth

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